Geschichte

13-10_Gemälde_560x3741. Ursprünge

Vor fast 200 Jahren zogen Zigeuner durch East Anglia und wurden von kleinen, roten, kippohrigen Terrieren begleitet, Wildererhunde, denen man nachsagte, sie seien die 
härtesten Terrier, die man sich vorstellen konnte.

East Anglia ist ein Getreideland, und Ratten, Kaninchen und Mäuse stellten für die 
Bauern ein grosses Problem dar, wenn sie nicht wirksam bekämpft wurden. Kleine, 
wendige, terrierähnliche, rotbraune Hunde sah man daher recht häufig auf den Höfen, 
und sie mussten dafür sorgen, dass die Nager kurz gehalten wurden. Es gab sogar 
berufsmässige “Rattenfänger”, die mit rund einem Dutzend solcher Terrier auf 
besonders schlimm betroffene Höfe kamen, ihre Hunde dort etwa eine Woche auf 
Raubzeugfang schickten und dann zum nächsten Hof weiterzogen. 

Als Raubzeugfänger 
verschafften sich diese Hunde in der Tat einen grossen Ruf; so wird beschrieben, wie 
einer von ihnen an einem Tag während des Dreschens 80 Ratten tötete. 
Interessanterweise soll es um die gleiche Zeit in East Anglia auch Heeler, das sind 
Hütehunde, gegeben haben, die als einzige ihrer Art relativ klein, rot und rauhaarig 
waren. Leider sind sie ausgestorben. Es scheint fast, als bestünde eine Beziehung 
zwischen der Landschaft von East Anglia, der roten Farbe und dem rauhen Haar.

Um 1870 ärgerte sich der Master der Foxhounds von Ballybrick in Irland, dass ihm 
so viele Füchse entkamen, weil seine Hunde zu gross waren, um ihnen in die Bauten 
zu folgen. Er begann, aus seinen Irish Terriern eine Linie besonders kleiner Hunde 
herauszuzüchten und soll nach zahlreichen Generationen einen Terrier von 10 inches 
Schulterhöhe gehabt haben. Jedoch erst nach seinem Tode gelangten einige dieser 
Hunde nach England in die Gegend von Cambridge und Norfolk. Diese “Irish mites”, 
wie sie genannt wurden, und die Hunde der Zigeuner und Bauern mögen der 
Ursprung des Norfolk Terriers gewesen sein.

Gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts tauchten sie vermehrt in Cambridge auf, 
wo sie in der Trumpington Street nahe den grossen Colleges von einem Hundehändler, 
“Doggy Lawrence”, verkauft wurden. Besonders bei den Studenten waren diese 
“Trumpington” oder “Cantab” Terrier sehr beliebt, die sie zu sportlichen Wettkämpfen 
im Rattenbeissen einsetzten. Besonderes Interesse zeigten auch die Pferdezüchter 
aus dem nahegelegenen Newmarket, einem der grössten und bedeutendsten 
Vollblutzuchtgebiete der Welt. Ausgehend von Cambridge und Umgebung bemühten 
sich verschiedene Personen um die Weiterentwicklung dieser kleinen roten Terrier, 
fast all waren “Pferdeleute” oder Jäger: Jodrell Hopkins, Lewis Low, Frank Jones , 
Jock Cooke, Jack Read, um nur die wichtigsten zu nennen. Sie arbeiteten gezielt 
darauf hin, einen bestimmten Typ, den sie sich als Ziel gesetzt hatten, zu schaffen. 
Bis zum heutigen Norwich und Norfolk Terrier war es jedoch noch ein weiter Weg.

 

2. Anerkennung und Ohrprobleme

Die Ohrhaltung war von geringer Bedeutung für die frühen Züchter der kleinen, roten Terrier, Temperament und Mut waren ausschlaggebend. Häufig wurden die Ohren sogar kupiert.

Gewiss war es nicht im Sinne der früheren Züchter, zwei Rassen zu schaffen, doch 
mit dem Kupierverbot kam es zwangsläufig dazu, dass man die Stehohrigen von den 
Kippohrigen unterscheiden musste, und beide Typen hatten ihre Anhänger, so dass 
man sich nicht auf eine Ohrhaltung einigen konnte. Als es 1932 durch den Kennel 
Club zur Anerkennung des Norwich Terriers als Rasse kam, durften die Hunde laut 
Standard Steh- oder Kippohren haben.

Obwohl es erlaubt war, die Typen miteinander zu kreuzen, erkannten die Züchter 
schon früh, dass damit keine guten Resultate zu erzielen waren, nämlich 
“Flatteröhrchen”, wie sie noch heute oft bei den Norfolk Terriern vorkommen. Alle 
Versuche beim Kennel Club, einen Zusatz “Kippohr” und “Stehohr” bei der 
Eintragung der Hunde zu erwirken, waren vergeblich. Es war ein harter Kampf, 
ehe nach vielen Jahren 1964 der Kennel Club einwilligte und die Kippohrigen 
einen neuen Namen erhielten: “Norfolk Terrier”. Beide Rassen haben nach Ansicht 
britischer Züchter von dieser Trennung profitiert.

 

3. Unterschiede zum Norwich Terrier

Es liegt mehr zwischen Norfolk und Norwich Terrier als nur eine unterschiedliche 
Ohrhaltung. Dazu einige Ansichten von Züchtern, die beide Rassen kennen: Norwiches 
sind insgesamt tiefer, kürzer und kompakter gebaut. Der Norfolk ist eine Spur länger 
im Rücken und leichter, dem “working terrier” noch näherstehend. Beim Norfolk ist das tiefrote, harte Haarkleid häufiger anzutreffen, dafür sieht man unter den Norwiches wesentlich mehr “black and tan”, ”grizzle” oder “wheaten”. Aber die Hauptunterschiede liegen im Wesen der beiden Rassen. Norwich Terrier sind in der Regel ständig um die Füsse ihrer Besitzer, können so auch eher mal ohne Leine spazierengehen. Selbst im Haus folgen sie ihrem”Meister” auf Schritt und Tritt. Norfolks sind etwas unabhängiger in ihrem Naturell, gehen auch mal eigene Wege und bleiben zu Hause auf ihrem Platz liegen, wenn ihr “Meister” nur gerade mal in ein anderes Zimmer geht. Während der Norwich Terrier ein fast überschäumendes Temperament besitzt, ist der Norfolk eher gleichmütig und unerschütterlich. Er ist ruhiger im Haus, weniger quirlig, aber auch nicht so “showy”, wie sein stehohriger Vetter. Der Norwich ist als “Zeiger” im Ausstellungsring fast ein Naturtalent, was der Norfolk in der Regel erst lernen muss. In jedem Fall ist es falsch, die beiden Rassen im Ausstellungsring miteinander vergleichen zu wollen. Sie wurden getrennt, um eben dieses zu verhindern. Ein Richter kommt schliesslich auch nicht auf die Idee, einen West Highland White Terrier mit einem Cairn Terrier zu vergleichen, obwohl sie denselben Ursprung haben.

Auch die rassetypischen Krankheiten sind ganz unterschiedlich und selbst in der Bewegung sieht der Fachmann Unterschiede zwischen Norwich und Norfolk Terrier. (Quelle: Joan R. Read)

 

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